Von der Morsetaste bis zum Smartphone

Vom Inhalt:
Landarbeit, Krieg, Tagesgeschehen, Berge, etwas Amerika, Militärisches und einiges Andere.

Inhaltsverzeichnis

Danksagung
001 Der Anstoß
002 Sie lügen bis zuletzt
003 Wer bin ich
004 Wie es früher war – der Bombenkrieg
005 Gespannführer oder Stalldrang
006 Rüben verziehen, eine Heidenarbeit
007 Kartoffelanbau in der Nachkriegszeit
008 Hungern
009 Nadja
010 Die Feste auf dem Dorf
011 Aufbewahren
012 Spielsachen
013 Blitzschlag oder Getreideernte
014 Vogelgrippe und Rinderwahn
015 Change The Gear
016 Geld
017 Die Meldung
018 Enigma
019 Die Morsetaste
020 Magaweli
021 Der Käfig
022 Waffen, Gerät, Vorgesetze
023 Ein Auftrag
023a Anemone im Konglomera
024 Der Ball
025 Etwas über Berge, Seen und Führer
026 Freies Europa, zahlen an jeder Grenze
027 Bezüge und Hobby
028 Ewiges Eis
029 Heute

 

Leseprobe

Von der Morsetaste bis zum Smartphone

008. Hungern

2011 hat wieder einmal jemand gerechnet und festgestellt, dass zwei Milliarden Menschen hungern und 500 Millionen übergewichtig sind. Ich gehörte seinerzeit zu den zwei Milliarden und jetzt (fast) zu den 500 Millionen. Was war, was ist wohl besser?

Die Bauern in dem kleinen Meißnerdorf, in das wir aus Kassel umziehen mussten, evakuiert wurden, litten keinen Hunger. Doch lebten sie auch nicht im Überfluss. Jeder Bauer hatte Kühe und jeder Bauer zog zwei oder mehr Schweine auf. Damit waren Milch, Butter und Wurst und Speck gesichert. Gänse und Hühner gehörten ebenfalls auf jeden Hof. Auf den Feldern gab es vor allem Roggen und Weizen und Kartoffeln für die Menschen und Rüben und Hafer für das Vieh. Das Heu sollte nicht vergessen werden. Eine Katze war auch auf jedem Bauernhof zu Hause. Sie hatte sozusagen die Vorräte zu bewachen. Mitunter wurde sie sogar auf den Hausdachboden hinauf geschickt, um dort gegen die Mäuse vorzugehen. Dort lagerte der jährliche Getreidevorrat und die Mäuse kletterten wohl mühelos an den Wänden dieser Fachwerkhäuser empor. In der Küche unter dem Herd bekam sie täglich ihre Ration Milch. Verließen wir die Küche musste sie stets mit raus: „Sind wir nicht da, geht sie auch auf den Tisch.“ Einen Hund gab es selten. Da hätte man sich ja auch noch drum kümmern müssen und zu fressen brauchte er auch noch. Hätte ich heute einen Bauernhof, hätte ich sicher auch einen Hund. Doch in der Wohnung? Das arme Tier!

Wir selbst waren Normalverbraucher. Für Geld gab es nichts. Mittels Lebensmittelkarten wurden uns die Dinge zugeteilt, die uns gerade so am Leben hielten. Dabei kann ich mich heute nicht mehr erinnern, ob das nur für Fleisch und Zucker galt oder auch für Brot und Salz. Doch, für Fett, Butter, gab es ganz bestimmt auch Marken.

Bild 20: Gletschertisch auf dem Eis des Großen Aletschgletschers
(Bild links)

Doch wie das so im Krieg ist, den Bauern war auch genau vorgeschrieben was und wie viel sie zu schlachten hatten. Auch in diesem kleinen Dorf gab es einen, der die Buben packte, wenn sie nicht mit Heil Hitler grüßten und aufpasste, dass kein Stück Vieh schwarzgeschlachtet wurde. Die Schafe, die den ganzen Sommer mit dem Schäfer unterwegs waren, waren wohl nicht so genau gezählt. Immerhin schaffte es die Bauersfrau bei der wir wohnten jedes Jahr, eins „schwarz“ zu schlachten. Natürlich gegen Mitternacht und bei arger doppelter Verdunklung aller Fenster. Selbst von der vielen Milch, die die Kühe gaben, war Butter machen nicht möglich. Bestimmte Teile der Zentrifugen waren allen Bauern abgenommen worden. Doch auch hier hatte unsere Bauersfrau einen Draht zu einem Schwarzlieferanten. Ab und zu durfte ich die Zentrifuge bei lauter Radiomusik, die das hohe Singen der Zentrifugenscheiben übertönen sollte, drehen. Köstlicher Rahm floss dann in den kleinen Topf, Molke in den Eimer. Wie wird dann aus Rahm Butter? Das ist nur ein ...

Gletschertisch

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